zur Hauptseite von Nervenarztpraxis-erfurt.de


 

Was bedeutet "Depression" ?

Es müssen nicht die großen „Katastrophen“ sein, die zu einer Depression führen. Manchmal sind es für uns banal scheinende Ereignisse, die unsere Gefühle plötzlich aus dem Ungleichgewicht bringen. Die traurige Verstimmtheit geht weit über uns alle betreffende Stimmungsschwankungen hinaus. Ein bloßes „sich Zusammennehmen“ reicht nicht mehr, um das Tief zu überwinden. Unser Leiden äußert sich dann oft in Sätzen wie: 

„Wenn ich nicht mehr richtig arbeiten kann, tauge ich nichts mehr.“

 

„Ich bin nichts mehr wert. Mich mag ohnehin keiner, denn ich bin auch keinem etwas wert.“

 

„Am liebsten würde ich einschlafen und nicht mehr aufwachen, denn ich will meine Ruhe haben.“

 

„Nichts hat Bedeutung. Nichts macht mehr Spaß. In mir ist nur Einsamkeit und Leere.“

Wenn solche traurigen Phasen, in denen das Leben nicht mehr aus normaler Perspektive wahrgenommen wird, über mehrere Wochen oder sogar Monate anhalten, könnte es sich um eine depressive Erkrankung handeln.

Der Begriff „Depression“ wurde vom lateinischen „deprimere“ abgeleitet, welches soviel wie „unter- niedergedrückt“ bedeutet. Depressionen sind schwerwiegende Erkrankungen, aber keine Geisteskrankheit und haben nichts mit Charakterschwäche zu tun ! Es bestehen gute Heilungschancen, soweit die Behandlung konsequent und lange genug erfolgt..

Niemand muss sich dafür schämen, eine solche Diagnose gestellt zu bekommen, oder sie dann als Erkrankung anderen mitzuteilen ! 

Man schätzt, dass rund 50% der 4 bis 5 Millionen in Deutschland an einer Depression erkrankten Menschen nicht adäquat behandelt werden, da viele Patienten ihre Symptome nicht ernst nehmen oder sich scheuen, auf Grund dieser zum Arzt zu gehen. Körperliche Beschwerden überdecken oft die seelischen Symptome und Letztere sind leider heute noch immer weniger akzeptiert als ein „verstauchtes Handgelenk“.

Betroffene leiden nicht nur unter der Erkrankung, sonder also auch unter den Vorurteilen in der Bevölkerung. Paradoxerweise sehen sich viele unter dem Zwang, sich gegenüber Nichterkrankten, welche den Zustand einer langanhaltenden Depression dankenswerterweise nie kennengelernt haben, rechtfertigen zu müssen.

Ärztliche Hilfe sollten Sie immer dann in Anspruch nehmen, wenn die folgend beschriebenen Stimmungen durch Sie selbst oder durch ihr Umfeld nicht mehr bewältigt werden können. Beachten Sie aber: das typische Aussehen einer Depression gibt es nicht ! Die genannten Symptome treten einzeln, in Kombination oder meist vielfältig durchmischt auf.

Oft geäußerte Stimmungen von Patienten:

  • Niedergeschlagenheit

  • Gefühl der inneren Leere

  • Eigene Fähigkeit, das Aussehen und das soziale Ansehen werden in Frage gestellt

  • Grübelneigung oder Grübelzwang

  • Affektstarre – sich nicht mehr richtig freuen oder weinen können

  • Unfähigkeit, überhaupt noch Gefühle zu entwickeln

  • Schwierigkeiten oder Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen

  • Gefühle der Hoffnungs- und Hilflosigkeit

  • Schlaflosigkeit und Einschlafprobleme

  • Bedrücktheit und Lustlosigkeit

  • Ängste, Ratlosigkeit und sogar Verzweiflung

  • Lebensselbstverständlichkeit ist in Frage gestellt

  • soziale Kontakte werden reduziert und allgemeine Tendenz zum Rückzug

  • pessimistische Zukunftssicht

  • Lebensüberdruss, Selbsttötungsgedanken

         körperliche Beeinträchtigungen:

  • unerklärbares Engegefühl in Hals und Brust

  • Atembeschwerden

  • Rückenbeschwerden

  • Gewichtsverlust, Magen-Darm-Beschwerden

  • Kopfschmerzen (oft „Helmgefühl“)

  • Muskelverspannungen im Schulter-Nacken-Bereich

  • Verlust von Libido und Potenz

Die Eine, also allgemein gültige Ursache für Depressionen gibt es nicht. Vielmehr unterliegt die Krankheit bei jedem einzelnen Patienten speziellen Umständen, Ereignissen und Persönlichkeitsfaktoren.

Was geschieht beim Arztbesuch ?

Zunächst erfolgt durch den Arzt eine Abgrenzung zu anderen Krankheiten, wie Schilddrüsenerkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenteneinnahmen, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Begleiterscheinungen von chronischen Schmerzzuständen. Er unterscheidet verschiedene depressive Erkrankungen voneinander, erkennt den vorliegenden Schweregrad und entscheidet auch, ob ein eventueller Krankenhausaufenthalt notwendig ist.

Grundsätzlich ist die möglichst frühe Erkennung der Krankheit wichtig. Je eher eine Therapie erfolgt, umso größer sind die Chancen für einen bleibenden positiven Behandlungserfolg. Dem Arzt stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Er entscheidet ob eine reine Psychotherapie oder eine medikamentöse Therapie, die eine Psychotherapie oft erst ermöglicht, angezeigt ist. Die Verschreibung von Antidepressiva kann übrigens nur durch einen Arzt erfolgen.

Ziel der Therapie ist es unter anderem, entlastende Gesprächen zu bieten, neue Hoffnung zu vermitteln, Anleitung zu eigenverantwortlichem Handeln zu geben,  Überforderungen zu erkennen und diese abzubauen, den Kontakt zur Außenwelt neu zu gestalten und eine Strukturierung des Alltags vorzunehmen.

Eine Heilung ist aber nichts zuletzt davon abhängig, inwieweit Sie als Patient die eingeleiteten Therapiemaßnahmen mitgestalten und konsequent einhalten.

Eine depressive Erkrankung kommt nicht über Nacht und kann ebenso wenig über Nacht verschwinden. 

Ihr Arzt wird Sie durch die schwierige Zeit begleiten, Sie aufklären, Ihnen zuhören, Sie aber auch Schritt für Schritt fordern. Sobald es Ihnen besser geht, erhalten Sie Hilfe dabei, Ihr neugewonnenes Lebensgefühl aktiv zu stabilisieren.

Es geht um die Wiederherstellung Ihre Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Freude am Leben.


 

 

Nervenärztliche Gemeinschaftspraxis Erfurt

Dr. A. Roos-Janke - Fachärztin für Neurologie

U. Janke - Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

M. Jurisch - Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Andreasstraße 8 - 99084 Erfurt